Monatsspruch

Monatsspruch August 2022 (1. Chronik 16, 33)

Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem HERRN, denn er kommt, um die Erde zu richten.

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

Mein Herz geht in mir auf, wenn ich in den Wald gehe. Dort finden sich Bäume, Kräuter, Sträucher, Tiere, Pilze und andere Lebewesen. Viele davon faszinieren mich. Bäume stehen fest an ihrem Ort. Sie sind gewöhnt, dass Frost und Hitze kommen – und auch wieder gehen. So lange Bäume Wasser ziehen können und sich im Boden ein paar Nährstoffe sammeln, können sie wachsen und alt werden; bis ihr langer Lebenszyklus sie zur Grundlage anderer Lebewesen werden lässt.

Ein ausgewachsener Baum kennt eine Gefahr – den Mensch. Kleine Menschen ritzen gern Bäumen die Rinde ein um anderen kleinen Menschen Zeichen zu hinterlassen. Große Menschen wollen das Holz haben. Sie kommen mit Säge und Axt, um das Leben eines Baumes zu beenden. Eine unbekannte Menge Menschen macht den Waldbäumen gemeinsam das Leben schwer: Sie bewirtschaften die Erde so, dass viele Bäume brennen; gerodet für die Umnutzung der Flächen, entzündet durch die Hitze der Sommer oder angebrannt, weil die schützenden Nachbarn in Form anderer Arten fehlen. Die Menge der Bäume wartet darauf, dass der Mensch in seine Schranken verwiesen wird. Die Bäume werden jubeln, wenn Gott die Erde richten kommt.

Im Text steht statt „werden“ das Tätigkeitswort „sollen“ – also eine Aufforderung. Auf der Suche, weshalb der Text die Bäume auffordert, habe ich entdeckt, dass er aus einem Lied kommt. Ein König lässt seine Chöre antreten und singen. Der lebendige Gott soll gelobt werden. Er hat dem König versprochen, dass ein Nachkomme zum ewigen König erhoben wird, den Gott als seinen Sohn ansehen will. Und so jubelt dieser König so sehr, dass er auch andere auffordert, diesen kommenden König zu bejubeln. Dabei geht er so weit, dass die Natur aufgefordert wird:

„Es freue sich der Himmel, und die Erde sei fröhlich, und man sage unter den Heiden, dass der HERR regiert! Das Meer brause und was darinnen ist, und das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist. Es sollen jauchzen alle Bäume im Wald vor dem HERRN; denn er kommt, zu richten die Erde. Danket dem HERRN, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“

Wenn dieser König kommt, um zu richten, klingt in der uralten Sprache über Rechtsprechung mit: Dieser König wird den guten, gesunden Zustand wieder herstellen. Wenn er regiert, kommt das Gleichgewicht in der Natur zustande. Und genau darauf hoffen wir Menschen heute ganz besonders. Immer, wenn vom Klimawandel gesprochen wird, rufen wir uns in Erinnerung, dass in unserer Welt etwas so gravierend ungünstig verläuft, dass dringend geeignete Maßnahmen benötigt werden. So hoffe ich, dass der König, den Gott einsetzt, bald erscheinen soll. Dann werden die Bäume im Wald jubeln.

H. Christoph Geuder
KirchenBezirksSozialarbeiter

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Monatsspruch Juli 2022 (Psalm 42, 3)

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

wenn das Gleichgewicht wackelt sind sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig schlimm. Wasser zeigt das besonders eindrücklich. Ohne Wasser vergeht alles Leben; aus Erde wird Stein oder die feine Form davon, Staub. Alle Lebewesen leiden. Dieses Leiden verändert die Sinne: Scheu und Vorsicht treten zurück, wenn nur das Bedürfnis nach Leben gestillt wird. Der Dichter des Psalms besingt dieses natürliche Phänomen und projiziert das Bild auf das Verhältnis unseres menschlichen Kerns – der Seele – und Gott:

Wie ein Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu Dir! Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

Der lebendige Gott wird mit Wasser verglichen, das frisch ist; sprudelt und fließt. Umso größer der Durst, umso größer ist auch die Sehnsucht nach diesem frischen Nass. Wenn es ausbleibt, wackelt mein inneres Gleichgewicht.

Die Sehnsucht nach Leben treibt mich, aktiv zu sein. Weil Gott das Leben will, hat er alles so wunderschön gemacht. Aus ihm speisen sich die Kreisläufe der Welt. Den Menschen hat sich Gott als Gegenüber gewünscht. Weil er jedoch für unsere Sinne unsichtbar bleibt, hat der Fromme ein Problem: Gott kann er keinem vorstellen. Diese Erfahrung besingt das Psalmlied.

Als Mensch saß Jesus einmal in der Mittagshitze an einem Brunnen. Eine Frau kam dazu. Sie war schlecht angesehen. So versuchte sie allen Menschen aus dem Weg zu gehen. Weil sie auch Durst hatte, musste sie – wie jeder Mensch – trinken. Es kam zum Gespräch zwischen ihr und Jesus (nachzulesen in Kapitel 4 im Johannesevangelium). Und Jesus behauptete der Frau gegenüber: Wer das Brunnenwasser trinkt, wird wieder durstig. Wer aber das Wasser trinkt, das er gibt, den wird eine Ewigkeit lang nicht dürsten. Dieses Wasser wird zu einer innenliegenden Quelle und führt zum ewigen Leben.

Die Aussage von Jesus, dass durch ihn ein dauerhafter Kontakt zu Gott möglich ist, verbindet meine Seele mit Gott. Aus dieser Idee heraus bekommt alles, was ich tue oder lasse einen tragenden Wert – die Perspektive der Hoffnung: Eine gute Zukunft ist möglich und sie wird sich durchsetzen. Weil diese Hoffnung langsam aber stetig quillt, bleibt das Gleichgewicht erhalten. So kann ich mich dann auch dem Ende des Psalms anschließen: Warte auf Gott, meine Seele! Ich werde ihm noch danken, dass er mein Gegenüber und meine Hilfe ist.

H. Christoph Geuder
KirchenBezirksSozialarbeiter

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Monatsspruch Juni 2022 (Hoheslied 8, 6)

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

Wie stark ist der Tod? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur; der Tod trifft jeden – niemand entkommt ihm. In der langen Geschichte der Menschheit gilt das als gesetzt. Es gibt nur wenige Legenden von Menschen, die die Erde anders verlassen haben. Selbst Jesus von Nazareth ist gestorben bevor aus ihm der Wieder-Lebende – der Auferstandene – geworden ist; der seitdem den Titel „Christus“ – Retter der Welt – trägt. Der Glaube weiß darum, dass Gott stärker ist, als der Tod und dass der Christus Gottes Liebe repräsentiert.

Liebe trifft jeden. Wer lebt ist durch einen Akt entstanden, den wir mit Liebe gleichsetzen. Auch, wenn das Leben noch so gemein zu jemandem zu sein scheint: Ohne Liebe gäbe es denjenigen nicht. Die Liebe, die Gott zugeschrieben wird, betrifft auch jeden. Gott lädt uns ein: Wer Jesus glaubt, wird am Ende dem Tod geraubt.

Im alttestamentlichen Hohenlied wird der Liebe nachgespürt, die jeden trifft. Mit sinnlichen Bildern komplimentieren sich darin Liebende und teilen sich ihre gegenseitige Zuneigung mit. Sinnlich vergleichen sie die Schönheit des anderen mit besonderen Bildern. Sentimental und phantasievoll schmeichelt so einer dem andern. Wie einem eine rollige Katze zwischen den Beinen entlangstreicht und schnurrt, sobald sie Zuwendung bekommt, so schmelzen die Texte dahin.

Eins dieser Bilder ist das Siegel. Es dient der eindeutigen Zuordnung. Siegel finden sich auf dem Wappen eines Ritters und im Logo eines Konzerns ebenso wie in der Amtsstube einer Gemeinde oder im Namenszug eines kleinen Geschäfts. Wer das Siegel trägt, gehört dazu! Keine Liebe ist größer als die, den anderen vollkommen dazugehören zu lassen. Das wünschen sich die Liebenden gegenseitig.

Leben setzt sich durch, wo solche Liebe da ist. So verbindet mich das Band der Liebe mit meinen Vorfahren. Heute knüpfe ich am Ende dieses Bandes. Mit starkem Arm gestalten die Liebenden das Leben – und die Liebe setzt dem Tod etwas entgegen.

Versiegelt mit der Liebe gehören die Liebenden zusammen. Wer das Siegel von Gottes Liebe in sich trägt, hofft auf den Christus. Sein Arm ist stark geworden, den Tod in Schranken zu weisen. Diese Hoffnung im Herzen wünsche ich uns – und ja; ich wünsche uns, dass sich der Christus bald sichtbar zeigt.

H. Christoph Geuder
KirchenBezirksSozialarbeiter

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Monatsspruch Mai 2022 (3. Johannes 2)

Ich wünsche Dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es Deiner Seele wohlergeht.

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

Diplomaten unterhalten sich mit wohlgewählten Worten – quasi durch die Blume. Die leichte Übertreibung in der Sprache sendet eine Botschaft: „Pass auf, wenn es weiterhin so sein soll!“ Johannes schreibt an einen Freund. Direkt nach der Anrede bereitet er ihn darauf vor, wohlwollend den Inhalt des Briefes zu lesen. Eigentlich will Johannes persönlich mit ihm sprechen; er kann aber gerade nicht. So schreibt er schnell eine kurze Nachricht: „Achtung, in Deinem Umfeld verhalten sich ein paar Leute falsch! Bleib Du bei Deiner Haltung!“

Der Inhalt vieler Nachrichten im Gruppenchat klingt ähnlich. Der schöne Wunsch „Ich wünsche Dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es Deiner Seele wohlergeht“ könnte er aus einer Textnachricht zum Geburtstag zitiert sein. Warme Wünsche tun gut. Sie erzeugen ein positives Gefühl. Das stärkt die Beziehung. Und, wenn ein Verantwortungsträger einem anderen schreibt, dass in seinem Bereich etwas Kritisches abläuft, ist es umso wichtiger, dass die Beziehung geklärt ist. Indianerhäuptlinge qualmten deshalb gemeinsam eine Pfeife, bevor sie wichtige Fragen besprachen.

Der Vers selbst enthält eine Nachricht: Ich bin Dir so wohlgesonnen, dass es mich freut, wenn Du erfolgreich bist. Und dazu wünsche ich Dir mehr als „Alles Gute!“ Ich wünsche Dir körperlich Gesundheit, seelisch Ausgeglichenheit und darüber hinaus einen Sechser im Lotto oder einfach nur Erfolg, bei allem, was Du tust.

Es ist Mai. Die Natur erfreut uns an allen Ecken. Die ersten kleinen Mietzekätzlein springen auf dem Heuboden herum und die ersten Vögelchen üben fliegen. Wohl wissend, dass die Kätzlein den Vögelein zu Feinden werden, wünschen wir allen Kleinen erstmal Glück und Wachstum und ein langes Leben.

Das alles wünscht uns Gott in dieser Zeit. Auch wenn es immer wieder etwas zu kritisieren gibt, steht vor allem anderen der gute Wunsch Gottes an Sie und mich: „Ich wünsche Dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es Deiner Seele wohlergeht.“ Darin spiegelt sich die Vaterrolle, die Gott uns Menschen gegenüber einnimmt. Und als Vater bin ich froh, wenn sich Streit schlichten lässt und an die Stelle des Streitens etwas Produktives rückt. Die Kinder sollen sich entwickeln, sollen ihre Begabungen ausbauen und erfolgreich sein können; und sie sollen mit ihren Schwächen umgehen lernen.

In der Welt gibt es viele Menschen, die Gott seine Kinder nennt. Sie wohnen im Osten, im Westen, im Norden und im Süden – also überall. Gottes Wunsch ist, dass sie alle erfolgreich sein können. Dafür ist es wichtig, auf die verschiedenen Beziehungen zu achten: Wie soll mich mein Kritiker ansprechen? Wie wünsche ich mir, gefördert zu werden? Kann ich selbst anderen gegenüber so handeln? Wem schreibe ich den Monatsspruch zum Geburtstag?

H. Christoph Geuder
KirchenBezirksSozialarbeiter

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Monatsspruch April 2022 (Johannes 20,18)

Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

wenn die Beerdigung vorbei ist, verändern sich die Gefühle. Während die Kumpels in ihre normalen Alltagsroutinen zurückkehren, fällt von den nahen Angehörigen die Anspannung ab. Sie weicht der Ohnmacht und Gefühlen von Schwäche. Die einen setzten sich nun zusammen und tauschen ihre Trauer und ihre Erinnerungen miteinander, die anderen suchen stille Zeit und gehen ein Stück. Ich selber gehe nach einer Beerdigung gern nochmal zum Grab. Das verbindet mich mit dem Ort, an dem ich ab jetzt Gedenken kann, mit meiner aktuellen Gegenwart. Dieser Ort bekommt jetzt eine Gestalt: Frische Blumen, Kränze mit Schleifen aber auch Nachbargräber und ein Raumgefühl auf dem Acker Gottes helfen mir, die Situation in mein Leben einzusortieren.

Stellen Sie sich vor: Sie kommen, um Ihre Gedanken mit der neuen Situation vertraut zu machen. Sie sehen den Sarg offen im Grab liegen. Zwei Männer in heller Kleidung sitzen daneben und fragen Sie: „Was weinst Du hier?“ – Für mich wäre das ein Schock. Es ist das schlimmste Szenario nach einer Beerdigung: Der Leichnam ist weg.

Genau das hat Maria erlebt. Ihre Gefühle spielen Achterbahn. Sie antwortet den hell gekleideten Männern: „Hier lag mein Geliebter – jetzt ist er weg – irgendwer hat ihn weggetragen und ich weiß nicht wohin!?“ Und plötzlich steht da noch so ein hell gekleideter Mann. Auch er fragt sie: „Was weinst Du? Wen suchst Du?“ Maria glaubt, es ist der Gärtner. Sie versucht ihre Stimme zu kontrollieren und antwortet: „Herr; hast Du ihn weggetragen? Sage mir, wohin! Ich will ihn wieder holen.“ Der Mann spricht sie beim Namen an: „Maria.“ Die Worte klingen vertraut. Sie erkennt die Stimme. Sie erkennt den Sprecher – sie ruft: „Meister!“

Der Tote lebt! Es handelt sich um Jesus – den Mann, der im ganzen Land vom Reich Gottes gesprochen hat. Sein Tod war definitiv kein Scheintot. Er ist öffentlich hingerichtet worden. Er erklärt Maria: „Rühr mich nicht an. Ich muss erst zu Gott, meinem Vater, gehen. Aber: Erzähl den Freunden davon.“ Wieder ist er weg. Maria geht zurück zu den anderen und berichtet voller Freude: „Ich habe den Herrn gesehen!“

Einer dieser Freunde hat das später aufgeschrieben. So fanden die Worte des Monatsspruchs in die Bibel. Es ist der Bericht einer persönlichen Begegnung am Auferstehungsmorgen. Jesus lebt, der Anfang des christlichen Glaubens.

Es ist Ostern. Das feiern wir im Jahr 2022 am 17. April. Sind die Gefühle auch heute nachvollziehbar. Ein Grab – kurz nach der Beerdigung – leer. Ostern lädt uns ein – Sie und mich – zum Friedhof zu spazieren und dort dem Wunder nachzuspüren, das da geschah.

H. Christoph Geuder
KirchenBezirksSozialarbeiter

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Monatsspruch März 2022 (Epheser 6, 18)

Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

Dmitri Muratow, Meşale Tolu und Luka Binniyat arbeiten als Journalisten, publizieren unbequeme Wahrheiten und kennen Verfolgung. Weil sie bekannt sind, werden sie von anderen Menschen unterstützt. Luka Binniyat wurde im Januar 2022 von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte und der Evangelische Nachrichtenagentur IDEA zum „Gefangenen des Monats“ gekürt. Dmitri Muratow erhielt als Chefredakteur der Zeitung „Nowaja Gaseta“ stellvertretend für alle Journalisten seines Hauses im Jahr 2021 den Friedensnobelpreis. Meşale Tolu wurde vor einigen Wochen durch die türkische Justiz frei gesprochen. In meinem Ohr klingt noch ihre Aussage, dass das Leid, was sie erleben musste, durch den Freispruch nicht einfach weg ist. Es bleibt Teil ihrer Geschichte.
Paulus sitzt im Gefängnis. Sein Brief an die Christen in der Stadt Ephesus ist fast beendet. Lehrreiche und nachdenkenswürdige Dinge hat er geschrieben. Direkt vor dem Monatsspruch vergleicht er Glaube mit Kampf und fordert seine Leser auf, die Waffenrüstung Gottes anzulegen. Nun bittet er um Gebet. Weil er sich in Gottes Hand weiß und weil in Gottes Hand jeder Glaubende geborgen ist, können Glaubende frei und offen zu Gott reden. Paulus weiß aus den alten Schriften, dass Gott sich bewegen lässt. Gebet verändert die Welt. Nachdem Elia den Glauben an den lebendigen Gott eindrücklich verteidigt hat (sein Opfer brannte vor den Leuten, während das andere Opfer nicht in Flammen aufging), ruft und fleht er zu Gott. Eine Dürre plagt das Land. Pflanzen und Tiere lechzen nach Wasser. Elia bittet Gott um Regen. Er bittet so lange, bis die ersten Wolken aufziehen.
Wir dürfen zu Gott beten – dürfen ihn anflehen – für Christen im Gefängnis und für „alle Heiligen“. [Zwischenfrage: Wer ist das eigentlich?]
Paulus weiß sich selbst unter den Heiligen. Er möchte für sich beten lassen. Paulus will, dass er trotz Gefangenschaft die gute Botschaft vom Reich Gottes weiter offen aussprechen kann.
Wir Christen heute wissen um so manche Not. Mir fallen konkrete Menschen ein, die in Angst geraten sind oder deren Last meine Last übersteigt. Gott hört zu, wenn wir etwas sagen. Ein Kinderlied besingt: „Gott hält die ganze Welt in der Hand; Gott hält die ganze Welt in der Hand; Gott hält die ganze Welt in der Hand; Gott hält die Welt in seiner Hand.“
Wenn ich den Spruch für diesen Monat zwischen der Waffenrüstung Gottes und dem Wunsch nach freier Rede für den Verkündiger Paulus lese, wird mein Blick auf die Christen gelenkt, die in Zwang und in Entscheidungsnot geraten sind. Gott gebe ihnen die Kraft, Dinge zu ändern, die sie ändern können; die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die sie nicht zu ändern vermögen und die Weisheit die eine Situation von der anderen unterscheiden zu können. Wie prekär die Lage auch immer sein mag; unser Retter kennt die schweren Situationen – und er hat versprochen bei uns zu sein; bis ans Ende der Zeit! Warten – ausharren – lohnt sich.
H. Christoph Geuder
KirchenBezirksSozialarbeiter


 

Monatsspruch Februar 2022 ( Epheser 4,26)

Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

morgens wacht man häufig mit den Gedanken vom Abend auf. Eine Motivationstrainerin empfiehlt deshalb, abends an etwas Schönes zu denken. Ein entspannter Abend ist fürs Wohlbefinden äußerst zuträglich. Und wenn es mir gut geht, kann ich leichter gute
Beziehungen pflegen. Gute Beziehungen sind Ausdruck eines tief in unserer Kultur verwurzelten Wertes – eines Ideals, zu dem wir uns hingezogen fühlen. Gute Beziehungen befördern Erfolg, vermeiden übergroße Anstrengung und stärken das Gefühl, sicher zu leben.

Ein Missionar der ersten Stunde der Christenheit sitzt im Gefängnis. Die Lehre von einem Reich, in dem Frieden gelebt wird, in dem Gewalt zu teilen ist und die Freiheit des Einzelnen nicht an einen bestimmten gesellschaftlichen Status oder ein höheres Einkommen geknüpft sind, ist neu. Seine Predigt, dass die Menschen sich Jesus anschließen und in diesem Zusammenhang ihre bisherigen Götter und Meinungen aufgeben sollen, erzeugt Widerspruch.
Jesus ist für ihn der Christus – der Retter der Welt.

Im Gefängnis hat der Mann Zeit, seine Gedanken und Ideen aufzuschreiben. Was er den Menschen vor Ort erzählen möchte, kann auf einmal gelesen werden und wird bis heute ernst genommen und diskutiert. Paulus legt wert darauf, dass Menschen, die an Jesus als den Retter der Welt glauben, durch ihr Tun und Lassen diese Erkenntnis spiegeln. Leicht nachvollziehbar ist es, wenn er rät, nicht mehr zu lügen und stattdessen offen über die Dinge zu reden, wie sie sich darstellen. Schwerer wird das, wenn im Fluss der Gefühle Ärger aufsteigt – Zorn. Im Zorn auf gute Beziehungen zu achten, fällt schwer.

Ein ärgerliches Kind schreit seinen Frust frei heraus. Will es etwas haben, zerrt es an der Mutter und reckt die Arme hin zum Objekt der Begierde. Will es etwas nicht, verwehrt es mit strampelnden Bewegungen die Aktion. Ein Kind erweitert seine Grenzen. Was gestern noch ganz selbstverständlich die Mutter entschieden hat, will es heute selbst bestimmen. Der Konflikt tritt innerlich auf und entlädt sich nach außen. Auch in Erwachsenen steigt manchmal Ärger auf. Er gibt dasselbe Signal: Irgendjemand hat meine Grenze verletzt;
irgendetwas ist zu nahe an mich heran gekommen. Ich muss mich wehren. Ein paar Fragen können helfen, meinem Zorn zu begegnen:

    • Was will mir mein Ärger gerade sagen?
    • Wie kann ich mit dem Grund meines Ärgers umgehen?
    • Wodurch wird der Friede an meiner Grenze wieder hergestellt?

    Für gute Gedanken zu diesen Fragen wünsche ich Gottes Segen und schließlich „Gute Nacht.“
      H. Christoph Geuder

    KirchenBezirksSozialarbeiter

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