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Monatsspruch Juni

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Monatsspruch Juni

Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib. (Hebräer 13,3/ EUE)

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, 

das Thema der Beratung war besprochen. Da unterhielt ich mich mit meinem Gegenüber darüber, was ihn dazu bewogen hat, nach Deutschland zu ziehen. Als Lehrer in seinem Land gäbe es eigentlich keinen Grund, sagt er. Aber: Er gehört zur „falschen“ Partei. 50`000 Lehrer sitzen dort in Gefängnissen, weil die regierende Partei die Opposition klein hält. So hat er seine Unterlagen eingepackt und ist zu Fuß aus–gewandert. Inzwischen trägt er die deutsche Staatsbürgerschaft. Aber an die Leute im Gefängnis denkt er jeden Tag. 
Um der eigenen Überzeugung willen in Gefangenschaft zu geraten, trägt eine öffentliche Dimension – ist also nie ganz privat. Was eine sagt oder was einer tut, wird wahrgenommen. Und auch die Botschaft vom Friedensreich, auf das Christen warten, erzeugt Reaktionen. Jesus wurde von frommen Gelehrten seines Volkes angeklagt und kurz danach öffentlich misshandelt und hingerichtet. Und Stephan, einem der ersten Diakone, erging es bald genauso. 
In der Geschichte wiederholt sich dieses Muster bis heute. Weil wir am Leben sind, gilt für jeden von uns der Rat: Denk an die Gefangenen und an die Misshandelten. Hintergedanke: Es könnte sein, dass auch auf Dich ein solches Schicksaal wartet. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt. 
Der Retter (Christus, nach dem die Christen als Christen bezeichnet werden) ist gefangen worden. Das verbindet ein Stück seiner selbst – seiner Identität mit den Gefangenen. Er schaut darauf, wie seine Nachfolger Menschen in solcher Not begegnen. Gefangene gehen jeden Christen etwas an. 
Gefangene sein leicht zu verorten: Es sind Menschen in Einrichtung aus denen sie nicht herauskönnen. Sie werden daran gehindert, frei ihren Weg zu gehen. Gefangensein findet aber auch anders statt – ganz feinsinnig im Alltag; da wo Sorgen den Blick fesseln und die Gedanken aufhören frei zu sein oder wo sich die Ausweglosigkeit im Kreis dreht. Da benötigt es ein Gegenüber das hilft Gedanken zu sammeln, Ideen zu entwickeln, neue Ziele zu formulieren und schließlich aus dem innenliegenden Gefängnis aus–zu–wandern. Wer behauptet: „Ich folge Christus,“ denkt an die Gefangenen. 

H. Christoph Geuder 
KirchenBezirksSozialarbeiter