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Monatsspruch Juli

Monatsspruch

Monatsspruch Juli

Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. (Amos 5,24/ LU17)

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser, 

der Deich an der Oder befindet sich weit genug im Inland, dass er viel Wasser aufnehmen kann. Im Oberlauf des Flusses liegen keine nennenswerten Stauseen. So steigt und fällt der Wasserstand mit den Regenmengen im Gebirge. Ein Bauer erzählte mir, dass dieser sich binnen Stunden um einige Meter verändern kann. Manchmal geben die Fischer den Bauern Bescheid, dass sie ihr Heu sichern sollen, bevor ein plötzlicher Wasseranstieg kommt. 
Plötzlicher Wasseranstieg eines Flusses oder prasselnder Regen reißen alles, was nicht fest verankert ist, mit sich. Nach dem strömenden Regen glänzen alle Oberflächen; kein Dreck konnte standhalten. Alte Äste und umherliegende Reste sind weggeschwommen. Stattdessen ist der Boden so weich geworden, dass sich Wurzeln und kleine Tiere ihren Weg erobern können. Gestärkt werden alle Lebewesen. Durch das Nass zirkuliert das Leben wieder in ihnen. 
Strömendes Wasser bringt Kraft und Leben aus der Höhe und wirkt durch sie in den Niederungen. Diesen Prozess nimmt der Prophet Amos als positives Bild für das, was Gott sich wünscht. Er stellt es der Abscheu Gottes gegenüber. Der ekelt sich nämlich vor dem Gottesdienst und fühlt sich gestört durch „das Geplärr der Lieder“. Dabei sind weder die Lieder noch die Versammlung selbst das Problem. Gott freut sich darüber – so lange sein Recht eingehalten wird. Fromme Sprüche will Gott nicht hören. Wer vor ihm feiert aber in seinem Alltag die Arbeit der „kleinen Leute“ verdichtet oder sich an der Not anderer bereichert, mit dem will Gott nichts zu tun haben. 
Wenn wir als Gesellschaft die Versorgung der Armen kürzen, während wir an anderer Stelle gute Geschäfte möglich machen, steht das der Idee entgegen, dass jede und jeder leben kann. Wenn das Recht versiegt, wird die Grundlage für gutes Leben kleiner. Es muss nicht erst ein Damm brechen und Schaden verursachen. Bevor wir Gott in einer kulturellen Veranstaltung feiern, soll sein Recht unser Leben bestimmen. Fahrt das Heu ein, bevor die Flut es wegspült. Für Gott aktiv sein bedeutet auch, das Recht des Anderen achten; auch das des Konkurrenten und auch das des Nachbarn, der zur anderen Partei gehört. 

H. Christoph Geuder 
KirchenBezirksSozialarbeiter