Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. (Prediger 4,6/ LU17)
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01.09.2026 Monatsspruch
Monatsspruch September
Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
Weisheiten werden gern von Menschen in feinsinnige Worte gefasst. Melancholisch klingt es aus einem Liedtext von Philipp Dittberner:
„Lass uns die Wolke vier bitte nie mehr verlassen
Weil wir auf Wolke sieben viel zu viel verpassen
Ich war da schon einmal – und bin zu tief gefallen
Lieber Wolke vier mit Dir als unten wieder ganz allein“
Ähnlich melancholisch trägt der Prediger seine Beobachtungen zusammen:
Die Tränen der Unterdrückten die keiner tröstet, die Eifersucht der Aktiven über den Erfolg der Anderen und schließlich der „Tor“, der sich ausruht, erfolglos ist und sich in Selbstmitleid windet.
Alle drei Beobachtungen spiegeln sich in der Welt der Erwerbsarbeit: Die Situation der Ausgebeuteten (heute vielleicht ein Lieferwagenfahrer?), die Situation der Unternehmenslenkenden, die ihren Erfolg mit den Mitbewerbern vergleichen (müssen?) und die Situation der Träumer, die ohne Anstrengung etwas wollen – das aber nie erreichen. Weil diese Beobachtungen ihn frustrieren, rät der Prediger: „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und haschen nach Wind.“
Ein Unternehmer erzählte mir von seinen Erfahrungen: Er hatte einmal ein Arbeitsmittel ausgeliehen. Die Arbeit des Tages war erfolgreich erledigt. Das geliehene Arbeitsmittel musste nur noch pünktlich zurückgegeben werden. Da kam der Unfall. Der Gewinn war dahin. … Er ist in die Gaststätte gegangen, hat noch einmal so viel Geld ausgegeben, wie der Tag Verlust gebracht hatte. Und er hat seine Lehre daraus gezogen: Ab sofort nehme ich mir für solche Arbeit die doppelte Zeit. Besser, ich arbeite ohne Unfall aber mit Ertrag. Dann kann ich die Arbeiten noch viele Jahre machen. Aber so einen Absturz, soll es nicht mehr geben.
Da die Welt im Wandel ist, sind unschöne Situationen immer wieder zu beobachten. Ich wünsche mir, mein Tun und mein Lassen gut auf das Leben, wie es eben ist, einstellen zu können. Gott gebe mir die Weisheit dazu!
H. Christoph Geuder
KirchenBezirksSozialarbeiter